In einem interessanten Artikel der Zeit vom 30.09.2014 wird das Thema Führungskultur behandelt. In einer Umfrage des Bundesarbeitsministeriums und der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ wurden 400 Manager in 1,5 stündigen Interviews zum Thema befragt.

Dabei halten viele dieser Manager die derzeit vorherrschende Führungskultur in Deutschland für überholt, bzw. für verbesserungswürdig. So sollen, nach Mehrheit der Befragten, Hierarchie- und Renditedenken Ideen wie Wertschätzung, Entscheidungsfreiräume und Eigenverantwortung, als Instrumente zur Mitarbeitermotivation weichen. So weit so gut!

Wir Trainer und damit meine ich nicht nur uns bei kemserstimmen dem vermutlich voll zu – nur wer soll das in die Hand nehmen? Vielleicht könnte „man“ es ja machen? Wer auch immer das ist? Hierzu auch unser Beitrag: Wer ist „man“?

Eigentlich ist die Antwort darauf doch sehr einfach: Die Manager selbst sollten das am Besten machen! Interessant ist doch, dass viele, die in diesem Artikel die deutsche Führungskultur für nicht mehr zeitgemäß, bzw. sogar als (zukünftiges) Problem erachten, gerade diese Führungskultur gelebt haben und heute leben. Immerhin können wir Kultur als gelebtes Verhalten ansehen.

Wäre es jetzt angemessen zu sagen, dass in diesem Fall die Manager Problem und Lösung zugleich sind? Nein, vermutlich nicht, das wäre wohl zu leicht. Vielmehr fühlen sich – zumindest laut dem Artikel – viele Manager wie „…Gefängnisinsassen in einem System, das nicht ihren Vorstellungen entspreche.“  Wow!

Natürlich kennen wir nicht die Art der Fragestellung in den Interviews, bzw. die einzelnen und differenzierten Antworten darauf. Insofern ist es auch nur teilweise fair, über diese Antworten zu „richten“. Allerdings, wenn ich nur einen Teil dieser Antworten richtig (im Sinne der Antwortenden) interpretiere, kann ich sagen, dass ich das Problem und auch die Lösungsansätze wohl nicht in Gänze verstanden habe. Wenn die Lösungsideen in Richtung Wertschätzung, Entscheidungsfreiräume und Eigenverantwortung gehen (volle Zustimmung!), dann gebt den Mitarbeitern genau das! Wo ist denn dann das Problem?

Ich kenne aus meiner Trainings- und Coachingpraxis kein Unternehmen oder System, das einem Manager, bzw. einer Führungskraft nicht die Möglichkeit bietet, den eigenen Mitarbeitern diese individuellen Bedürfnisse, zumindest in einem angemessenen Rahmen, zu erfüllen. 

Immerhin, ein – wenn auch eher nur erster Lösungsansatz – wird in dem Artikel angesprochen: Führungskräfte müssten kooperationsfähig und empathisch sein – dazu brauchen sie Reflexion und deshalb halten sie auch Coaching für ein unverzichtbares Werkzeug. Diese Idee scheint in die richtige Richtung zu gehen. Kooperation und Empathie sind bestimmt hilfreich für die ins Auge gefassten Lösungsansätze. 

Es ist ein (weiter) Weg – da helfen wir doch gerne!

Den Artikel finden Sie übrigens hier:
http://www.zeit.de/karriere/2014-09/manager-fuehrungsstil-umfrage