Viele Meetings finden zurzeit online statt. Auch hier kann es zwischen den Teilnehmern mal knirschen. Doch wie spreche ich Konflikte an, wenn jeder vor seinem Rechner sitzt?

Wenn wir auf einem Zeitstrahl mit Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft denken, dann wird schnell klar, dass „Probleme“ und „Schuld“ in der Vergangenheit und maximal in der Gegenwart vorkommen, „Lösungen“ dagegen in der Gegenwart und in der Zukunft liegen. Aus diesem einfachen Grund lohnt es sich, bei allen Gesprächen sich so früh wie möglich in Richtung Zukunft zu bewegen. 

Sie steuern dies z.B. mit den Frageworten „WARUM“ (Vergangenheitsbezug) und „WOZU“ (Zukunftsbezug). Vgl. dazu Artikel „WARUM oder WOZU“ in diesem Blog.

Nur: wieviel Probleme (Vergangenheit) brauchen wir, um die Lösung (Zukunft) zu finden?

Eine Überlegung zu Lösungsorientiertem Kommunikationsverhalten vs. Problemorientiertem Kommunikationsverhalten:

„Problem talk creates problems, solution talk creates solutions.“
(Steve de Shazer, Begründer des sogenannten „lösungsorientierten Ansatzes“ in der Psychotherapie)

Obwohl für Steve de Shazer dieses Zitat handlungs- und erfolgsweisend war, ist diese Haltung und Vorgehensweise für den Kontext Konfliktmanagement – in unseren Augen – noch einmal separat zu betrachten: Selbstverständlich ist es verführerisch, nur noch in Lösungen zu denken (wir könnten dann praktisch alle belastenden Probleme außen vor lassen). Aber gerade im Unternehmenskontext, in dem oft zwei oder mehr gleichgestellte Partner miteinander im Konflikt liegen, ist das oft – die Praxis zeigt es uns Tag für Tag – unmöglich. 

Zum einen scheinen langfristige Problemlösungen, ohne auch einen Blick auf das Problem zu werfen, schwierig. Zum anderen würde eine wertvolle Ressource verschenkt. Denn: Wie wollen Sie vermeiden, dass die gleichen Fehler und Probleme wieder auftreten, wenn Sie diese gar nicht kennen und analysiert haben? Wenn Sie nicht wissen, wie es dazu kam, dass ein gewisses – im nachhinein nicht erwünschtes – Ergebnis aufgetreten ist, werden Sie es beim nächsten Mal nur schwer verhindern können.

Auswirkung einer rein problemorientierten Sichtweise

Eine rein problemorientierte Sichtweise kann zu keinem Ergebnis für die Zukunft führen. Die Beteiligten werden immer weiter das Problem/die Probleme, die in der Vergangenheit lagen, diskutieren. Die Aufgabenstellung/die Diskussion endet meist in einem tiefen Zerwürfnis, da es irgendwann um Schuldfragen und -zuweisungen geht. 

Auswirkung einer rein lösungsorientierten Sichtweise

Auch wenn diese Vorgehensweise von Steve de Shazer vehement als zieldienlich vertreten wurde, sind doch zwei Dinge zu beachten. Zum einen war sein Kontext die Therapie – und somit eine andere Form der Beziehung als im Unternehmenskontext. Zum anderen gilt meist, Prozesse und Vorgänge weiter zu optimieren, statt sie neu zu erfinden. Und dazu werden 3 Zeiten gebraucht: 

Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft!

Wenn die Ergebnisse aus der Vergangenheit und Gegenwart die Basis unserer Verbesserung sind, dann besteht eine effiziente Optimierung darin, beide Sichtweisen (Problem und Lösung) und beide Zeiten (Vergangenheit und Zukunft) zusammen zu betrachten.

Zugleich gilt: Lösungsorientierung ist ohne Problemorientierung möglich – jedoch nicht immer sinnvoll! Eine bewusst gestaltete Kommunikation mit einem bewußten Umgang der „3 Zeiten“ scheint effektiver und effizienter zu sein.

Entscheiden Sie also, in welcher Zeit und damit auch ob Sie sich eher im Problem oder in der Lösung bewegen möchten. Im Grunde ist eher eine Frage des bewußten kommunizierens („einfach dran denken“) und weniger eine Frage der Technik. Die ist relativ einfach:

Fragen Sie mehr nach dem WOZU und weniger nach dem WARUM! Beziehen Sie sich auf die Zukunft, nicht auf die Vergangenheit!

Hier sind einige Beispiele:

+ Wozu brauchen wir das?
+ Was wird das bringen?
+ Wie genau kann das aussehen?
+ Wie werden wir dann zusammen arbeiten?

usw.

– Warum ist das passiert?
– Wie konnte es dazu kommen?
– Warum brauchen Sie das? 
– Warum sollte das nicht klappen?

usw.

Sie bestimmen mit Ihren Fragen meist die Richtung des Gesprächs. Was ausdrücklich nicht heißen soll, dass problemorientierte Sichtweise per se schlecht ist (siehe oben). Wenn Sie also wirklich Probleme hören möchten, um z.B. einen Prozeß dauerhaft zu verbessern, stellen Sie problemorientierte Fragen.

Wenn Sie jedoch Lösungen suchen und die Vergangenheit nicht wichtig ist, bzw. die Gefahr besteht, dass Sie sich „festfahren“, stellen Sie besser lösungsorientierte Fragen.

Und deshalb gilt auch hier der wichtige Grundsatz:
„Stell keine Fragen, deren Antwort du nicht wirklich hören möchtest!“ 

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Einsatz dieser Technik in Ihrer Kommunikation! Falls Sie Fragen oder Anregungen haben, rufen Sie uns gerne an.

Sandra und Stefan Kemser

Vielleicht kennen Sie ein Beispiel wie dieses:

Sie begegnen morgens Herrn Müller und grüßen freundlich: „Guten Morgen Herr Müller“. Er senkt den Blick, läuft weiter und Sie wundern sich und / oder sind bzw. werden sauer.

Das Thema aus dem Tipp: Wahrnehmung und Interpretation geht hier weiter: Herr Müller hat sich auf eine bestimmte Art verhalten (das was Sie sehen und / oder hören). Wenn Sie jetzt von diesem Verhalten aus auf die Person „Müller“, bzw. seine Einstellung oder Art schließen würden, gäbe es viele verschiedene Möglichkeiten:

  • …er ist unhöflich…
  • …er ist unhöflich…
  • …er mag Sie nicht…
  • …er ist mit den Gedanken anderswo…
  • …er redet nicht mit jedem…


Dies alles sind Ihre Interpretationen darüber, WIE Herr Müller als Person ist oder denkt. Die Gefahr besteht, dass Sie sich (und ihm) das Leben schwer machen könnten. Denn, welche Interpretation des Verhaltens richtig ist, werden Sie erst wissen, wenn Sie Herrn Müller fragen! Und welche Reaktion Ihrerseits dann hilfreich wäre…  

Lassen Sie uns also festhalten, dass der Schluss vom Verhalten auf die Person richtig, aber auch genauso falsch sein kann. Oft ist es so, dass wir von einem konkreten Beispiel (senkt den Blick und sagt nichts) auf das Große / Ganze schließen („er mag mich nicht“). 

So machen wir uns manchmal (unnötig) schlechte Gedanken und das Leben schwer. Und zusätzlich: wir  könnten dem andern damit unrecht tun, ihn verletzen und möglicherweise einen Konflikt herbeiführen.

Auswirkungen / Anwendung in der eigenen Kommunikation:

Es wichtig und hilfreich, WAHRNEHMUNG, INTERPRETATION und VERHALTEN zu unterscheiden, bzw. diese einzelnen „Punkte“ als Ablauf / Folge zu sehen, um damit die eigene Kommunikation bewusst zu steuern.

Zum Beispiel kann es ein guter Weg sein, die eigenen Fragen oder Befürchtungen als FEEDBACK zu formulieren:

„Herr Müller, ich habe Sie gegrüßt, Sie gehen weiter. Ich mache mir Gedanken darüber und würde es gerne verstehen; ist alles ok?“

Viel Spaß und Erfolg!
Sandra und Stefan Kemser

„Der Abend war schön!“,
„Du hast mir die Mail nicht geschickt!“. 

Wahrnehmung oder Interpretation

Statt zu erklären, was genau wir an dem Abend schön fanden, bzw. dass wir kein Mail erhalten haben, bieten wir dem anderen eine „verkürzte“ Form unserer Wahrheit an. Vielleicht deshalb, weil es einfach schneller geht (auch eine Interpretation!)?

Während WAHRNEHMUNG sich stets darauf bezieht, was wir hören oder sehen (eventuell auch tasten, riechen, schmecken), sind wir bei der INTERPRETATION bereits einen Schritt weiter und beschreiben, welche Bedeutung etwas für uns hat, bzw. welche Konsequenzen etwas haben kann oder – in unseren Augen – haben wird.

Im Grunde machen wir oft den zweiten Schritt vor dem ersten. Wir erklären einem Anderen eine Bedeutung/Konsequenz und rücken mit der Wahrnehmung (woran wir das fest machen, was genau wir gesehen oder gehört haben) erst auf Nachfrage heraus. Im Normalfall ist das auch kein besonderes Thema, weil wir uns meist auch so verstehen. Jedoch gerade in angespannten Situationen kann eine Interpretation wie „du hast mir die Mail nicht geschickt“ schnell als Angriff oder Schuldzuweisung verstanden werden und so zur   Verteidigung / Rechtfertigung des Angesprochenen führen. Dann ist es auch zum Konflikt nicht mehr weit!

Sagen Sie statt dessen besser: „Ich habe keine Mail von Dir erhalten“.
Merken Sie den Unterschied?

Bleiben Sie also – gerade in angespannten Situationen – bei Ihren Wahrnehmungen (was Sie hören oder sehen) und interpretieren Sie weniger. Das macht es oft leichter und vermeidet (überflüssige) Konflikte. 

Tipp

Fragen Sie sich einfach kurz vor solchen Aussagen:

„Woher weiß ich das?“
> führt zur Wahrnehmung

„Was genau möchte ich sagen / fragen – und vom anderen wissen?“
> führt zur eigenen Klarheit

Viel Spaß und Erfolg!
Sandra und Stefan Kemser

Manchmal verursachen bzw. verschärfen wir durch unser Verhalten und unsere Kommunikation einen Konflikt – obwohl wir es nicht wollen!

Gründe dafür gibt es viele (siehe auch Blogbeitrag „Richtig oder Falsch“). Deshalb kann das Bewusstsein über die eigene Kommunikation / das eigene Verhalten, bzw. kleine Änderungen dabei helfen, den Konflikt gar nicht erst entstehen zu lassen, bzw. zu entschärfen. 

In unseren Trainings und Coachings werden wir immer wieder gefragt, was aus unserer Sicht die wichtigsten Tipps, bzw. Kompetenzen sind, um mit Konflikten angemessen umzugehen. Im Laufe der Jahre haben sich sechs wichtige Punkte herauskristallisiert, die wir als grundlegend für einen konstruktiven, deeskalierenden Umgang mit Konflikten sehen:

  1. Trennen Sie Wahrnehmung und Interpretation
  2. Unterscheiden Sie Verhalten und Person
  3. Unterscheiden Sie Intra- und Interpersonelle Konflikte
  4. Denken Sie in der Zeit 
  5. Suchen Sie nach Fehlern, nie nach Schuldigen
  6. Achten Sie die Grenzen
     

In den kommenden Wochen werden wir auf jeden Punkt eingehen, damit Sie Ihren „Werkzeugkasten“ mehr und mehr füllen können. 

Sicher stellen diese sechs Tipps keine Garantie für ein konfliktfreies Miteinander dar. Konflikte sind einfach vorhanden. Allein die Beschäftigung mit dem Thema der „Intra- und Interpersonellen Konflikte“ zeigt, dass es unmöglich ist, Konflikte grundsätzlich zu vermeiden.

Nichtsdestotrotz liegt es meist in unserer Macht und speziell an unserem Verhalten / der Kommunikation, Konflikte nicht unnötigerweise herauf zu beschwören oder – wenn sie schon da sind – noch weiter anzuheizen.

Viel Spaß und Erfolg beim „Sammeln“ der Tipps,
Sandra und Stefan Kemser

Stellen Sie sich diese Frage doch einfach einmal in Bezug auf diese, etwas andere, Weltkarte!

Auch wenn viele Menschen versucht sind, die Frage mit einem „es kommt darauf an“ abzubiegen, ist es möglich, diese Frage klar mit JA oder NEIN zu beantworten. Dazu hilft es, die Antwort (RICHTIG / FALSCH) für sich selbst nicht als gegebenen „Fakt“ zu sehen, sondern als das Ergebnis eines internen Abgleichs zu verstehen. 

Dahinter liegt die Idee, dass wir die Dinge, die wir wahrnehmen (sehen, hören, tasten, riechen, schmecken) mit dem abgleichen, was wir kennen und was wir für uns selbst als richtig gespeichert haben. Dabei können wir unsere

Wahrnehmung als IST (gegeben / vorhanden) betrachten und unsere Vorstellung als SOLL (gewünscht / richtig) annehmen. 

Machen wir einfach mit der Karte weiter:

Silvia z.B. ist der Meinung, dass diese Karte falsch ist. Sie gleicht die vorliegende Karte (IST) mit ihrer gelernten – Vorgabe (z.B. auf allen Karten ist Norden oben = SOLL) ab.

    IST ungleich SOLL (Silvia): also ist diese Karte falsch! 


Klaus dagegen hat einen anderen SOLL-Zustand für sich definiert. Die Erde ist eine Kugel und kann an jeder beliebigen Stelle „aufgeklappt“ werden, also ist die „Lage“ beliebig (SOLL) – und so kommt Klaus zu einem gegensätzlichen Ergebnis:

    IST gleich SOLL (Klaus): also ist diese Karte richtig!


Somit blicken beide auf dieselbe Karte und gelangen bei der Frage „richtig oder falsch ?“ doch zu gegensätzlichen Ergebnissen. Sie geraten – zumindest wenn jeder darauf beharrt, dass sein Ergebnis DAS RICHTIGE ist – in einen Konflikt. 

Wo ist die Lösung? An diesem Beispiel wird schnell klar, dass die Lösung nicht darin liegen kann, dass jeder versucht, den anderen von seinem (internen) Ergebnis (richtig / falsch) zu überzeugen. Vielmehr wird es jetzt wichtig sein, dass Silvia und Klaus ihre verschiedenen SOLL Vorgaben abgleichen, um ein gemeinsames Soll (z.B. die Kriterien für eine Weltkarte, die beide als gültig bezeichnen) zu vereinbaren.

Dann ergibt sich – nach dem Vergleich des (allgemeinen) SOLL mit dem IST – das (gemeinsame) Ergebnis automatisch und ohne Konflikt! Zusätzlich wird klar, dass nicht mehr die Frage nach richtig oder falsch (das IST) im Vordergrund steht, sondern dass es hilfreicher ist, den Bewertungsmaßstab (SOLL) zu besprechen und zu vereinbaren. Oder, alternativ, das SOLL des Anderen zu akzeptieren. Siehe auch Artikel „Echte“ Dialoge in diesem Blog (http://www.kemser2.de/blog/echte-dialoge-1).

Das ist, je nach Thema, nicht immer ganz leicht (z.B. bei beruflichen Arbeitsaufträgen). Der Unterschied zum einfachen Durchsetzen der eigenen Meinung liegt jedoch in der „Veröffentlichung“ der individuellen Vorstellungen und Wünsche, bzw. dadurch in der Konstruktivität des Dialogs und somit in dem ausdrücklichen Willen, ein gemeinsames Ziel zu finden.

Einladung:

Spielen Sie dieses Beispiel doch noch einmal anhand einer Präsentation durch, die Klaus als Mitarbeiter für seine Chefin Silvia erarbeiten sollte und die Silvia falsch findet.

  • Was ist das IST?
  • Was sind (vermutet) die unterschiedlichen SOLL?
  • Wie sieht die konstruktive / dialogorientierte Lösung aus?
  • Wie kommen beide ganz schnell in einen echten Konflikt?


Wer als Ergänzung dazu gerne noch ein Video sieht, findet eine weitere Erklärung hier:

https://business.facebook.com/kemser2/videos/510180716011115/

Viel Spaß und Erfolg!
Sandra und Stefan Kemser

Wir glauben an echte Dialoge! Und Perspektivenwechsel!

Die am 23.09.2018 gehaltene Rede von Frank Walter Steinmeier, Bundespräsident und u.a. Schirmherr der der Aktion „Deutschland spricht“(siehe auch www.tagesschau.de/inland/deutschland-spricht-berlin-101.html) spricht uns sehr an und deshalb möchten wir uns dem Inhalt noch einmal kurz aus unserer Sicht nähern.

Bei der Aktion „Deutschland spricht“ geht es darum, Dialoge zu fördern, bzw. die Menschen dazu einzuladen, sich wieder mehr auf den Dialog einzulassen. Die Gründe, bzw. Anlässe sind offensichtlich und einfach. Nur zu oft verbleiben Menschen in ihrer eigenen (Gedanken-) Welt und suchen immer weiter nach Ansätzen, die die eigene Meinung bestätigen und somit das eigene Weltbild immer weiter verfestigen. Das ist einfach!

Der hier aufgerufene Dialog soll das Gegenteil bewirken oder zumindest ein Beginn davon sein. „Es geht um Konsensfähigkeit, darum Vorurteile abzubauen und einen Perspektivenwechsel einzunehmen“. Das Ziel ist dabei, durch eine neue Perspektive neue Erkenntnisse zu gewinnen. Oft um danach ein gemeinsames Verständnis für das Thema zu haben. Das Ziel ist jedoch nicht, den anderen von der eigenen Meinung zu überzeugen.

Und genau hier es wichtig, die Begriffe Verständnis / Akzeptanz / Einverständnis  voneinander zu trennen. Wir können Verständnis (im Sinne von verstehen) für z.B. die Meinung eines anderen haben, wir können auch die Meinung an sich akzeptieren (Akzeptanz im Sinne von Toleranz). Das hat auch viel mit Fairness zu tun. Und doch müssen wir selbst nicht die Meinung teilen und nicht einverstanden sein. 

Und auch das kann das Ergebnis eines guten Dialogs sein: wir haben uns verstanden und akzeptieren die Meinung des Anderen, ohne jedoch unser Einverständnis zu geben. Das Ende des Dialogs kann also auch ein „we agree to disagree“ sein (https://en.wikipedia.org/wiki/Agree_to_disagree)

Und obwohl wir uns, als kemser², weniger mit den, im Artikel genannten, gesellschaftspolitischen Themen beruflich befassen, begegnet uns die zu Grunde liegende Problematik und auch die Idee einer Lösung durch echte Dialoge immer wieder bei unserer Tätigkeit im Training und Coaching. Und das ist gut so – und macht Spaß!

Wir sind dabei: lassen Sie uns in Dialog kommen!

Vor kurzem konnte ich ein interessantes Gespräch zwischen zwei Personen mithören. Das Thema habe ich gar nicht verstanden, da meine Aufmerksamkeit erst geweckt war, als beide Partner „mitten drin“ waren.

Person 1: „Du hättest mir Bescheid sagen können“
Person 2: „Das hat dich letztes Mal schon nicht interessiert, deshalb habe ich gedacht…“
Person 1: „Du hast also für mich entschieden, dass es mich nicht interessiert?“
Person 2: „Nein, nicht entschieden. Ich dachte einfach, dass dich das Thema eher ablenkt.“
Person 1: „Wir haben aber beim letzten Vorfall vereinbart, dass wir uns informiert halten“
Person 2: „Dabei ging es aber um etwas ganz anderes!“

…und es ging noch eine ganze Weile auf die gleiche Art weiter.

Ein normales Gespräch? Ich habe eine Weile überlegt und viele Inhalte unserer Konfliktmanagement Teilnehmer Revue passieren lassen: das kommt immer wieder vor, so oder so ähnlich! Die Grundproblematik wiederholt sich, mit unterschiedlichen Inhalten, jedoch immer wieder.

Nun gut, wir können uns jetzt einfach sagen, dass – ohne die Hintergründe zu kennen – dieses Gespräch schwer zu bewerten ist. Das stimmt auch – genau deshalb geht es hier nicht um die Bewertung, sondern um die Art und Weise, wie die beiden gerade miteinander sprechen, bzw. wie das Gespräch weiter laufen könnte.

Grundsätzlich können wir die Situation und den Verlauf des Gesprächs vor dem Hintergrund unseres Modells „8SAM und konsequent im Dialog“ sehen.

Wenn ihr euch überlegt, in welche (zeitliche) Richtung sich die beiden gerade bewegen, dann stellt ihr schnell fest, dass die beiden Personen sich immer weiter in die Vergangenheit „schrauben“. 

Bei näherem Hinsehen wird schnell klar, dass in der Vergangenheit, neben sachlichen Beschreibungen, meist ProblemeVorwürfe und Schuld liegen, Lösungen jedoch nur in der Gegenwart und für die Zukunft entwickelt werden können. Dass heißt für die beiden Personen oben: wenn sie so weitermachen, rutschen sie immer weiter ins Problem / in die Schuldvorwürfe UND sie entfernen sich dabei immer weiter von einer möglichen Lösung.

Gehen wir mal davon aus, dass die beiden (grundsätzlich) nach einer Lösung suchen. Sollte dies nicht der Fall sein und das Ziel beider Personen ist es, auf dem Anderen „herumzuhacken“ und selbst Recht zu behalten, dann sollten sie einfach weitermachen – dann sind sie auf dem Weg dahin. Falls nicht, gibt es eine pragmatische Möglichkeit, es zu ändern.

Um ein solches Gespräch in eine gewünschte Richtung zu lenken, verwendet ihr am einfachsten die beiden Frageworte „WARUM“ und „WOZU“. Wichtig ist jetzt nur, die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten im Kopf zu haben.

WARUM leitet eine Kausalfrage ein, das heißt, hier wird der Grund für etwas erfragt. Die meisten Menschen antworten auf eine WARUM Frage automatisch mit einer (vergangenen) Begründung, die zum jetzigen Problem geführt hat. Es geht also in Richtung Vergangenheit / Problem / Schuldfrage.

WOZU hingegen leitet eine finalisierende Frage ein, die automatisch das Augenmerk auf die  Idee / die Lösung / die Zukunft richtet!

Klingt ganz einfach? Ist es auch und ist täglich anwendbar! 

Stellt euch vor, ihr würdet die beiden Personen vom Anfang jetzt fragen:

„WARUM tut ihr das?“ 

Wahrscheinlich wären die Antworten die Begründungen für die eigene Position und die Richtigkeit, bzw. die Erklärung WARUM der jeweils Andere Schuld hat.

Ihr könntet aber auch fragen:

„WOZU tut ihr das?“

Und entweder – und das ist gar nicht so selten – kommt dann gar nichts mehr außer der Einsicht, dass die ganze Diskussion völlig überflüssig ist und der Fokus besser da liegen sollte, wie in der Zukunft Absprachen stattfinden. Das wäre dann lösungsorientiert und hilfreich für die Zukunft. Oder die beiden „drehen“ sofort Richtung Zukunft und wünschen sich eine Lösung. Dann helfen manchmal noch ein bis zwei Fragen und Tipps über den Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Zukunft, um den Dialog in die gewünschte Richtung zu steuern.

Ein Tipp noch:
So manch einer / eine wird auch auf die Frage nach dem WOZU eher so antworten, als hättet ihr WARUM gefragt. Hier gilt es, dann einfach hartnäckig zu bleiben und auf dem WOZU zu „bestehen“, bzw. die Frage zu wiederholen. 

Vielleicht hilft euch auch das folgende Motto:

„Wichtig ist nicht, wer angefangen hat – sondern wer aufhört!“

Probiert es einfach aus – es macht wirklich Spaß, unterschiedliche Gespräche auf diese Art zu lenken. Dabei ist es grundsätzlich gleichgültig, ob ihr selbst betroffen (also einer der beiden) seid oder Beobachter / Vorgesetzter / Elternteil. 

Wir freuen uns über Feedbacks / Nachfragen / Erfahrungen!

Viel Erfolg wünschen euch 

Sandra und Stefan Kemser

Rotwein oder Blaumann?
Damit Ratschläge nicht zu „Schlägen“ werden!

Oder: wie Sie das Ziel / den Auftrag des Gesprächs klären können

Perspektive A:
Kennen Sie das? Jemand erzählt Ihnen von einer schwierigen Situation und Sie haben eine Idee, wie es besser funktionieren könnte – jedoch blockt der andere plötzlich ab, Sie haben eine 2. Idee, auch die wird abgelehnt, ggf. fangen Sie beide an, sich in die Wolle zu bekommen oder das Gespräch endet abrupt… und Sie stehen da mit Ihrem guten Vorschlag und denken vielleicht: „Tja, dann eben nicht… aber frag mich bloß nicht nochmal… ist mir viel zu anstrengend – Du willst Dir ja doch nicht helfen lassen!“

Perspektive B:
Kennen Sie das? Sie hatten einen „doofen“ Tag / Termin / fühlen sich ausgelaugt… und Sie erzählen jemandem davon… und dieser andere fängt an, Sie mit Ideen, Vorschlägen, Ratschlägen zu „überschütten“ – woraufhin Sie anfangen, sich „doof / klein / unfähig …“ zu fühlen („Warum bin ich da nicht selbst darauf gekommen…?“)

Sie fangen an, diese gut gemeinten Vorschläge und Ratschläge als „Schläge“ zu empfinden und beginnen sich zu verteidigen, diese abzublocken.

Zugleich merken Sie, dass Sie etwas anderes brauch(t)en, jedoch ist die Stimmung jetzt echt im Keller, dafür ist es nun zu spät, es gibt Streit oder das Gespräch endet abrupt…


Privat oder beruflich – dies passiert so häufig, oder?


Tja, auch uns ging es so vor vielen Jahren … (und auch heute manchmal noch…)

Situation: Wir saßen beim Italiener, ein anstrengender Tag lag hinter mir (Sandra), ich hatte das Gefühl, ich hätte Dinge anders / besser machen sollen, können – und begann, davon zu erzählen.

Darauf reagierte Stefan, in seiner konstruktiven und hilfsbereiten Art, indem er mir Vorschläge machte – und die Dynamik nahm ihren Lauf (s.o.). In diesem Fall wurde ich irgendwann zuerst nervös, dann immer stiller und merkte, das, was ich wirklich brauchte, wäre etwas anderes, als das was hier bisher geschah – und wir begannen, darüber zu sprechen, was wir gerade taten.

Ich (Perspektive A) wollte über meinen Tag sprechen, laut nachdenken, verarbeiten, Verständnis für meine schwierige Situation, „auf´n Arm“, jemanden, der mir bei einem Glas Rotwein einfach zuhört  – das ich dies brauchte und wollte, wurde mir jedoch erst so richtig klar, als Stefan (Perspektive B) bereits begonnen hatte, seinen „Werkzeugkoffer“ auszupacken und mir „im Blaumann“ viele – gut gemeinte, und, ja ich gestehe, richtig gute – Ideen anzubieten.

Seitdem – und es passiert immer mal wieder, mal so herum, mal anders herum – hilft uns folgendes: wir erinnern uns an diesen Abend sehr genau und inzwischen: sehr schnell! Wenn wir dies merken, dann sagen wir (nur noch): „Rotwein oder Blaumann?“

In der Kommunikationssprache heißt dies: „Wir klären den gegenseitigen Auftrag!“ 

Und oft – nach einer kurzen Phase des Zuhörens (beim Rotwein, Kaffee oder Tee…) – sind wir (Perspektive B) bereit und offen, die Ideen des anderen anzunehmen.

Aus Perspektive A wissen wir nun, ob wir den Auftrag haben, direkt „loszulegen“ oder (erst mal) zuzuhören…

Im Job ist es hilfreich zu klären, was wir von einander wollen / brauchen / geben können:

  • WAS: Hilfe / Rat / Unterstützung ODER „ein offenes Ohr“?
  • In welcher ROLLE (Mitarbeiter, Kollege, Vorgesetzter, freundschaft-licher Ratgeber o.ä.) wir gerade sind und sprechen / angesprochen werden?
  • WANN soll / muss etwas geschehen?


Vielleicht heißt es dann bei Ihnen in Zukunft:

  • „Tee oder Toolbox?“
  • „Kaffee oder Krisenmeeting?“
  • „Apfelsaft oder Actionplan?“

Viel Erfolg und konstruktive Dialoge wünschen Ihnen 
Sandra und Stefan Kemser (kemser2)

Für mehr Klarheit in schwierigen Situationen: wenn es mal hakt oder Ihnen der richtige „Pack-an“ fehlt.